Unter dem Motto „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“ kam Anfang des 19. Jahrhunderts eine Turnbewegung in Gange. In den Wirren jener Zeit schuf der 1778 geborene Schöpfer des „TURNWESENS“, auch „Turnvater Jahn“ genannt, im Jahre 1811 den ersten Turnplatz in der Hasenheide in Berlin. Die Grundgedanken dieses Mannes waren körperliche Ertüchtigung, nationale Erziehung und Erneuerung, sowie die Reinerhaltung und Pflege der Muttersprache. Die damaligen Regierungen unterdrückten diesen neuen Turn- und Zeitgeist, Jahn wurde verhaftet und eingesperrt. Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts durfte er sich wieder frei betätigen. Turnvereine wurden gegründet, die den Geist Jahns den nachfolgenden Generationen vermitteln sollten. Nach langem Hin und Her, Auf und Ab, begann man nun wieder das Augenmerk mehr auf das Spiel zu richten und so kam es dann, daß im Frühjahr 1888 auch hier in Dannstadt der Sport- und Spielgeist seinen Einzug hielt.

Nach der Gründung des „Turnverein Gut Heil 1888“ beschaffte sich der Verein Turngeräte, die auch von Friedrich Ludwig Jahn entworfen waren, und begann mit seiner sportlichen Tätigkeit. In jener Zeit wurde in der Hauptsache an Geräten geturnt, auch Netzballspiele wurden wieder gepflegt. Man traf sich mit Nachbarvereinen und trug turnerische Wettkämpfe aus, Turnfeste wurden abgehalten, und es wurde um sportliche Lorbeeren gekämpft. Leider fehlen uns aus der Entstehungszeit sämtliche Unterlagen.

Von alten ehemaligen Mitgliedern konnten wir erfahren, daß nach der Wiederbelebung des Vereins 1919 – 1920 wieder mit der Turnerei begonnen wurde. Im Saale der damaligen Gaststätte „Zum Pflug“, dem heutigen Lokal der „Harmonie“, wurden die Turnstunden abgehalten. Neben der Herrenriege bestand damals auch schon eine Damenriege, auf welche man sehr stolz war. Mit großer Freude und viel Elan ging man immer wieder auf die Turnfeste zum Abturnen, so zum Beispiel nach Deidesheim, Frankeneck, Ruppertsberg, Wachenheim und in viele andere Orte. Mit der Leitung waren Wilhelm Ullrich und Alois Henninger betraut, für die Jugendarbeit war Albert Schmidt zuständig.

Zu unserem großen Bedauern sind auch aus dieser Zeit keinerlei Unterlagen mehr vorhanden. Da nun nach der Machtübernahme durch das Dritte Reich ein Zusammenschluß aller Vereine erfolgte und somit auch eine neue Richtung auf sportlichem Sektor eingeschlagen wurde, „Wehrertüchtigung“, gingen die vormals turnerischen Elemente unter, um erst wieder nach der Kapitulation, dem Ende des 2. Weltkrieges, mit viel Mühe und Arbeit wieder ins Leben gerufen zu werden. Es begann nun eine sehr schwere Zeit, die alten Mitglieder standen nicht mehr zur Verfügung, viele waren im Krieg gefallen oder vermißt, manche hatten anderswo eine neue Heimat gefunden oder waren vereinsmüde geworden.

In den fünfziger Jahren war es dann endlich wieder soweit, daß auch eine Jugendabteilung gegründet werden konnte. Unser neues Ehrenmitglied Johannes Poulin widmete sich dieser großen und schönen Aufgabe. Anfangs der sechziger Jahre hatten wir dann die Ehre und das Vertrauen des Rhein-Limburg Gaues und richteten ein Gauturnfest aus. Beide Spielfelder am Angel – die Fußballgesellschaft 1913 stellte in dankenswerter Weise ihr Spielfeld zur Verfügung – waren Austragungsort der turnerischen Wettkämpfe. Eitle Freude herrschte unter allen Teilnehmern und voller Stolz trugen alle ihre Urkunden nach Hause und erinnerten sieh noch lange an dieses schöne Sportfest.

Einen neuen turnerischen Aufwind erlebte der Verein im Jahre 1975: eine Frauenturngruppe unter der Leitung von Frau Heidemarie Reeck bewarb sich um die Aufnahme in den Verein. Dies war ein Erfolg für die Turnabteilung, die dadurch wieder mehr Leben bekam. Bereits zwei Jahre später entstand eine neue Gruppe, das Turnen für Mutter und Kind. Waren es am Anfang 30 Frauen, welche die Turnstunden besuchten, so wuchs deren Zahl in diesen 2 Jahren auf über 70 Teilnehmer, so daß eine weitere Turnstunde erforderlich wurde.

Der erste Schritt in die Öffentlichkeit erfolgte im Jahre 1979 durch die Teilnahme der Damen am Gauturnfest in Deidesheim, auch die Gruppe Mutter und Kind waren Teilnehmer an diesem ereignisreichen Tag. Damit aber noch nicht genug, denn 12 Damen der Turn-Abteilung erwarben mit großer Freude und Begeisterung das Gymnastikabzeichen.

Ein weiterer Erfolg war das Landesturnfest in Oggersheim, für die teilnehmenden Turnerinnen ein großes und schönes Ereignis. 30 Frauen und 20 Personen der Mutter und Kind Gruppe nahmen mit Begeisterung an dieser turnerischen Demonstration bei herrlichstem Sommerwetter teil.

Nicht minder groß war die Freude der Mutter und Kind Gruppe sowie der Frauenabteilung beim Faschingsumzug 1982.

Höhepunkt für den Verein, und insbesondere für die Turnabteilung, war die Halleneinweihung am 9. Juli 1983. Nach über 2 Jahren Umbau, Neubau und Renovierungsarbeiten war es dann soweit: unsere Damen konnten in ihre eigene Turnhalle einziehen. Es gab keine zeitlichen Beschränkungen mehr. Raum und Zeit konnten neu festgelegt werden. Damit verbunden war die Erweiterung des turnerischen Angebotes: es gab einen größeren Aufschwung. Neben der Unterstützung der bereits vorhandenen Gruppen wurde jetzt auch eine Aerobic – Gruppe gebildet. Das Frauenturnen konnte nun auch vormittags angeboten werden. Eine neue Kinderturngruppe wurde tätig, des weiteren wurde eine Gruppe „Sonderturnen“ unter der Leitung von Frau Inka Conze gebildet. Die Mitgliederzahlen stiegen in den Jahren 1983/84 auf 526 Mitglieder, heute zählt der Verein über 700 Mitglieder. Die Turnabteilung erfreut sieh reger Tätigkeit. Neben dem Turnen kommen auch gesellige Ereignisse nicht zu kurz. Seit 1983 sind die Damen mit einem Stand auf der Kerwe vertreten und bieten Zwiebelkuchen und neuen Wein an. Beim Faschingsumzug versorgen die Damen – neuerdings gemeinsam mit den Handballern – die durstigen und mitunter frierenden Zuschauer und Teilnehmer mit Glühwein. Bei unseren traditionellen Handball-Jedermann-Turnieren erfreuen sie Teilnehmer und Gäste mit einem Kuchenstand. Darüber hinaus sind die Frauen aktiv bei jährlichen Ausflügen, Faschingsveranstaltungen, Grillfesten und Weihnachtsfeiern, sogar 2 Modeschauen erfreuten sich großen Zuspruchs. Beim Faschingsumzug der Daschauer errangen 1987 die Damen mit „närrischer Freude“ den 2. Platz der Fußgruppenwertung. Im letzten Jahr war es möglich durch die Erstellung eines neuen Kerwestandes die Helfer der Turn- und Handball-Abteilung bei Pfälzer Spezialitäten zu vereinen.
Wir würden uns freuen, wenn diese regen Tätigkeiten auch künftig erhalten blieben.