Mit Freude und Stolz feiert die Turnvereinigung 1888 e.V. Dannstadt in diesem Jahr ihr 100jähriges Bestehen.

Im Frühling des Jahres 1888 fanden sich in Dannstadt einige Männer zusammen, um angeregt durch die Gedanken des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn, einen Turnverein zu gründen, der auf den Namen „Turnverein Gut Heil 1888“ getauft wurde.

Mit dem jungen Verein ging es zunächst schnell aufwärts, doch leider führten dann gegensätzliche Strömungen dazu, daß dieser im Jahr 1893 seine Tätigkeit vorübergehend einstellte.
Im gleichen Jahr fand die Gründung eines neuen Vereins statt. Die Turngesellschaft Germania wurde aus der Taufe gehoben. Da es jedoch auch in diesem Verein wiederholt zu Spannungen und Meinungsverschiedenheiten kam, wurde parallel dazu, am 14.August 1905, das Vereinsleben im früheren „Gut Heil1888“ wieder aufgenommen.

Von nun an rivalisierten zwei Sportvereine in Dannstadt um sportliche Lorbeeren. Neben der regen sportlichen Tätigkeit legte man in beiden Vereinen besonderen Wert auf die Geselligkeit. Jährlich fanden Tanzveranstaltungen und Konzerte statt. Theater wurde gespielt und natürlich gab es auch immer eine Weihnachtsfeier.

Am 24., 25.und 26.Mai 1913 feierte der Turnverein „Gut Heil 1888“ sein 25jähriges Jubiläum, dessen Abschluß ein Vereinsball am 10. Januar 1914 krönte.

So wetteiferten beide Vereine bis zu Beginn des ersten Weltkrieges nebeneinander her. Ein Jahr zuvor war ein neuer Verein gegründet worden, die Fußballgesellschaft 1913.

In den Jahren des ersten Weltkrieges von 1914-1918 ging zwangsläufig das aktive Leben in allen Vereinen zurück, um dann im Jahre 1919, trotz vieler Verluste durch den Krieg, wieder zu erstarken.

Aber dies war auch erst nach der Überwindung vieler Schwierigkeiten, durch die Besatzungsmächte verursacht, möglich.

In jener Zeit zählte die Gemeinde 1.950 Einwohner, 54 junge Männer waren in diesem Krieg gefallen, was sich sehr stark auf die Arbeit in den Vereinen auswirkte.

Trotz Versammlungsverbot durch die Besatzungsmächte fanden sich am 5. Januar 1919 einige Mitglieder in privaten Räumen zusammen, um die Fortsetzung des Vereinslebens einzuleiten. Nach vielem Hin und Her konnte schließlich die Genehmigung zur Wiederaufnahme des Sportbetriebes erreicht werden.

Angeregt durch die Kriegsheimkehrer aus den drei Vereinen, setzte sich der Gedanke der Einigkeit und Harmonie immer mehr durch, was dann nach mehreren Verhandlungen am 18. Oktober 1919 zum Zusammenschluß aller Sportvereine führte.

Aus dem Turnverein Gut Heil 1888, der Turngesellschaft Germania 1893 und der Fußballgesellschaft 1913 wurde der Turn und Sport – Club 1888 gebildet.

Leider stand diese Vereinigung unter keinem guten Stern, die Fußballgesellschaft 1913 schied aus und ging ihre eigenen Wege.

Der wiederaufgenommene Sportbetrieb des Turn und Sport Club 1888 fand im Saal der Wirtschaft Henninger statt. Mit Zöglingen und einer Damenriege wurde hauptsächlich an Geräten in der Halle und auf einem Rasen im Hof geturnt.

Weitere Vereine, wie die deutsche Jugendkraft und der Turn und Sportverein 1922 entstanden ebenfalls.

Vermutlich fand in der Folgezeit ein Zusammenschluß zwischen Turn und Sportverein 1922 und Turn und Sport Club 1888 statt, der jetzt den Namen

„Turnvereinigung 1888“

führte.

Der seit 1924 von dem Sportverein und der Fußballgesellschaft 1913 genutzte „Spielplatz“ sollte auf Ersuchen der beiden Vereine neu aufgeteilt werden. Seitens der Gemeinde wurde außerdem ins Auge gefaßt einen neuen Sportplatz anzulegen. Das vorhandene Spielgelände wurde durch Beschluß der Gemeinde jeden Sonntag einem anderen Verein zur Verfügung gestellt. Aus den Unterlagen der Gemeinde läßt sich ersehen, daß die Turnvereinigung am l.März 1929 eine Teilung des Spielfeldes vorzunehmen beantragte, um einen Teil davon dem Verein im Erbbaurecht zur Errichtung einer Turnhalle zu überlassen. Wurde dieser Antrag zunächst noch ablehnend beschieden, so hatte ein erneuter Antrag im Juli 1930 mehr Erfolg. Im Oktober 1930 stimmte der Gemeinderat endlich dem Verkauf von Gemeindegrundbesitz an die Turnvereinigung 1888 zu.

Eine auf dem Flugplatz Lachen erworbene Halle wurde unter der Mithilfe vieler arbeitsloser Mitglieder, denn es war die Zeit der Wirtschaftskrise, abgebaut. In so genannten „Bittfuhren“ durch die bäuerlichen Mitglieder wurden die entsprechenden Steine, das Holz und die Dachziegeln nach Dannstadt gefahren.

Mit dem Bau der Turnhalle und der zusätzlichen Errichtung eines Spielfeldes, auf einem von der Gemeinde für den Sportbetrieb zur Verfügung gestellten danebenliegenden Grundstück, hatte sich die Vereinsführung finanziell übernommen.

Als die Zahlungsunfähigkeit festgestellt wurde, folgte die Zwangsversteigerung. Nach der Machtergreifung Hitlers vollzog sich für die Vereine in Dannstadt eine sportpolitische Wende. Alle Vereine wurden unter den Nationalsozialisten zu einem Allgemeinen Sportverein zusammengefaßt. Das bisherige Eigenleben der Vereine erstarb, ihr Eigentum wurde mehr oder weniger unfreiwillig dem Staat übereignet.

Rückblickend läßt sich für diese Zeit nur sehr schwer sagen, wann der Handballsport begann. Möglich könnte das Jahr 1924 sein, weil damals bereits ein Gerangel zwischen den Vereinen um die Nutzung des Spielfeldes stattfand. Mit Sicherheit kann jedoch gesagt werden, daß 1928 in Dannstadt „Handball“ gespielt wurde, was aus entsprechenden Ratsprotokollen eindeutig hervorgeht und auch ein Bild der ersten Handballmannschaft belegt.

Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges war eine sofortige Wiederaufnahme des Sportbetriebes nicht möglich, da eine Verordnung des Alliierten Kontrollrates dies untersagte.

Erst die wiederholten Bemühungen durch die Herren Karl Schumann, Karl Blanz, Friedrich Morlock und Johannes Poulin führten 1948 zum Erfolg. Nun galt es, die völlig verkommene Halle wieder instand zu setzen. Bis 1938 wurde die Halle für NS-Veranstaltungen, Versammlungen und als Kino genutzt.

1938-1940 war die Halle belegt durch die Organisation Todt. (Bau der Bunker und Flackstellung)
1940-1942 Einquartierung der Wehrmacht.
1942-1944 Lager für Kriegsgefangene.
1944-1945 Lager für politische Gefangene

Durch einen amtlichen sachverständigen Gutachter war der Kriegsschaden auf über 80% taxiert worden. Die Wiederinstandsetzung war sehr schwer, Geldmittel fehlten, die Bindung früherer Mitglieder war nicht mehr vorhanden, viele wollten von Mitgliedschaften in Vereinen nichts mehr wissen. Bei einem Einwohnerstand von etwa 2 000 Personen, waren 116 Männer gefallen, viele wurden vermißt. Trotz erschwerender Auflagen durch die Aufsichtsbehörden ließen sich die Männer dieser ersten Stunden nicht beirren und bauten den Verein wieder langsam auf.

Die Gaststätte wurde als erstes renoviert, im Anschluß daran wurde die Halle in Angriff genommen. Die Bühne und der Hallenboden wurden herausgerissen und erneuert. Die Außenanlagen befanden sich in einem miserablen Zustand, der Sportplatz konnte nur notdürftig hergerichtet werden. Der Turn- und Handballsport nahm einen raschen Aufschwung, in den fünfziger Jahren versuchten sich dann auch Mitglieder mit nicht geringem Erfolg auf der Ringermatte, bis es im Jahre 1959 wieder zum Rückzug kam. Mitte der sechziger Jahre erstellte der Verein in Eigenleistung Wasch- und Umkleideräume einschließlich einer neuen Toilettenanlage. Das Großspielfeld wurde in wochen- und monatelanger Arbeit neu hergerichtet und in Betrieb genommen. Wenige Jahre später verlagerte sich das Handballspiel auf das Kleinspielfeld, weshalb in der Folge ein entsprechendes Spielfeld errichtet wurde. Da keine Mittel vorhanden waren, mußte man auch hier wieder auf die bewährte Eigenleistung zurückgreifen. Leider wurden die Spielfelder bei der 1200 Jahrfeier der Gemeinde sehr stark beschädigt, sodaß eine neuerliche Instandsetzung erforderlich wurde. Da die Turnstunden immer besser besucht wurden und die neue Tischtennisabteilung sich mehr und mehr entwickelte wurde Ende der sechziger Jahre eine Warmluft-Heizung in der Turnhalle installiert.

Diese Investition begünstigte in weiterem Maße die Tischtennis-Abteilung, welche sich in der Folgezeit weiterhin vergrößerte und im sportlichen Bereich achtenswerte Erfolge aufzeigen konnte. Dieser großartigen Entwicklung folgte jedoch bald deren Niedergang. Unvereinbare Meinungsverschiedenheiten führten dann zur Spaltung der Abteilung. Ein großer Teil der aktiven Spieler verließ die Turnvereinigung und gründete einen neuen Verein. Die vereinstreuen aktiven Spieler führten jedoch die Abteilung weiter bis zu deren Auflösung im Jahre 1983. Wegen der beginnenden Renovierungsarbeiten wurde die Halle geschlossen und die Trainingsmöglichkeiten entfielen. Nochmals suchte eine Krise den Verein heim. Eine neuerliche Zwangsversteigerung stand in’s Haus, doch durch das Zusammenwirken einiger „Alten“ und „Getreuen“ konnte im Einvernehmen mit der Gemeindeverwaltung die drohende Gefahr verhindert werden.

Danach ging es wieder aufwärts. Durch mehrere Spenden konnte der Verein saniert werden. Das Kleinspielfeld wurde mit enormem Kostenaufwand neu hergerichtet, die Gebäude renoviert und neu verputzt. (Eigenleistung)

Im Jahre 1975 schloß sich dem Verein eine Frauengruppe an, die sich kontinuierlich vergrößerte. Die Turnstunden wurden jetzt in der Schulturnhalle abgehalten, da sich die Vereinsturnhalle trotz vieler Investitionen für den Turnbetrieb als ungeeignet erwies. Vorübergehend wurde sogar ernsthaft erwogen, die Halle ganz zu schließen, da die Unterhaltskosten in keinem Verhältnis zur Nutzung standen. Dank dem Engagement der Vorstandschaft gelang es auch hier, wieder eine Lösung zu finden. Nach Gesprächen und der Mithilfe der Bürgermeister der Orts- und Verbandsgemeinde und unter Mitwirkung des Rhein-Limburg Gau’s, der Kreisverwaltung und der Bezirksregierung wurden mit Mitteln des Goldenen Planes größere Renovierungs-, Neu- und Umbauarbeiten im Jahre 1981 in Angriff genommen. Die letzten Maßnahmen hierzu fanden im Jahr 1985 statt. Der Verein umfaßt heute nahezu 700 Mitglieder.